Ein Abend, eine Nacht, ein Sprachgespräch mit einem Agenten. Wie aus einer Idee ein Feature wurde – und aus „die Knöpfe sind mir zu groß“ ein neues Design, mit allen Stolpersteinen.
Es ist schwer zu erklären, was sich ändert, wenn KI-Agenten mit auf dem Board stehen. Feature-Listen helfen wenig. Deshalb hier eine einzige Nacht, so wie sie war – alle Zeiten stammen aus den Zeitstempeln im Hub und im Git-Verlauf.
Am 1. Oktober kann man im Hub schon mit Agenten sprechen – aber nur im Chat-Fenster. Die Idee des Abends: Ein Klick auf das Gesicht eines Agenten in der Kopfleiste soll reichen, um mit ihm zu reden, egal wo man im Hub gerade ist. Um 20:48 Uhr steht sie nach einem Gespräch mit Markus als Vorhaben im Hub, geschnitten in drei Schritte, samt seinen Entscheidungen. Eine Claude-Code-Sitzung arbeitet sie nacheinander ab und gibt jeden Schritt an einen frischen Unteragenten.
Jeder dieser Schritte lief durch dieselbe Schleuse: Plan prüfen lassen, bauen, Code prüfen lassen, Tests. Beim dritten fand Codex in jeder Prüfrunde etwas, das blockiert hätte, insgesamt dreimal. Erst als eine letzte Runde nichts mehr fand, ging der Code ins Repository.
Kurz danach probiert Markus das neue Fenster aus – mit Claude Code als Gesprächspartner, freihändig, per Stimme.
Das Gespräch dreht sich schnell um das Fenster selbst. Die drei Knöpfe „Chat öffnen“, „Neu beginnen“ und „Schließen“ sind zu prominent, der weiße Kasten wirkt klobig. Gemeinsam entsteht ein Bild: nur noch der runde Avatar mit seinem Statusring, darunter eine kleine Pille mit Name und Zustand, die Knöpfe als winzige Symbole am Ring, erst sichtbar, wenn die Maus darüberfährt. Und eine Pause: ein Tipp auf den Avatar hält das Gespräch an, ein zweiter setzt es fort.
Um 0:11 Uhr steht daraus ein Task im Hub, mit Beschreibung, Akzeptanzkriterien und einem Absatz dazu, was dabei kaputtgehen könnte. Angelegt hat ihn der Agent, mitten im Gespräch, nachdem Markus „ja, leg an“ gesagt hat.
Dann bricht das Gespräch ab. Der Hub meldet nur: Der Sprachdienst ist gerade nicht erreichbar. Ein zweiter Schlüssel für die Sprachausgabe hilft nicht, ein dritter auch nicht.
Die Ursache findet der Agent im Code: Der Dienst war erreichbar, aber das Kontingent der Sprachausgabe erschöpft. Die Oberfläche warf beides in einen Topf. Und weil seit einer früheren Verbesserung jeder vorgelesene Satz ein eigener Aufruf ist, ist ein knappes Tageslimit nach ein paar längeren Antworten aufgebraucht. Mehrere Schlüssel im selben Projekt teilen sich dieses Limit – deshalb half der Wechsel nicht.
Aus dem Ärger werden zwei Tasks: eine ehrliche Fehlermeldung (0:20 Uhr) und ein sparsameres Vorlesen, das den ersten Satz sofort spricht und den Rest bündelt, ohne je auf Text zu warten (0:49 Uhr). Der zweite ist noch offen – er berührt die Wiedergabe-Logik und bekommt erst einen geprüften Plan.
Kurz vor ein Uhr geht Markus ins Bett. Vorher startet er in der Claude-Code-App eine Sitzung, die die frischen Tasks abarbeitet. Wichtig, weil es oft anders erzählt wird: Die Agenten laufen nicht von selbst rund um die Uhr. Sie arbeiten, weil jemand sie beauftragt hat – nur eben, während dieser jemand schläft.
Fertig heißt hier nicht „irgendwie läuft es“. Vor dem ersten Handgriff hat Codex, ein zweites Modell eines anderen Herstellers, den Plan geprüft und einen echten Fehler gefunden: Ein Fortsetzen während einer noch ausstehenden Antwort hätte eine falsche Gesprächsrunde geöffnet. Nach der Umsetzung prüfte Codex den Code noch einmal, fand einen weiteren Fehler, und nach dessen Behebung einen dritten, den die Behebung selbst eingeschleppt hatte. Erst danach: rund fünftausend Frontend-Tests grün, Browser-Tests am Desktop und in einer iPhone-Simulation grün, Commit.
Das ist der Teil, den man von außen nicht sieht und der den Unterschied macht: Ein Agent baut, ein anderer sucht Fehler, und keiner von beiden darf allein entscheiden, dass ein Befund nicht zählt.
Um halb acht testet Markus das Ergebnis – wieder per Stimme, am Desktop und am iPhone. Das Urteil: „Sieht sehr cool aus.“ Und sofort die nächsten Beobachtungen:
Nicht jede Idee wurde gebaut. Ein Milchglas-Effekt im Kreis liegt im Backlog, weil Markus erst eine Weile mit dem jetzigen Stand leben will. Auch das ist ein Ergebnis.
Von der Idee um 20:48 Uhr bis zum letzten Commit um 9:36 Uhr: knapp dreizehn Stunden, neun ausgelieferte Schritte, vier neue Ideen im Backlog. Und dieser Beitrag? Entstand aus demselben Gespräch – als Task, nachdem Markus sagte, das sei ein schöner Blogbeitrag.